Albatrosse und Sturmvögel verbringen den grössten Teil ihres Lebens in den Weiten des Ozeans. Die Langstreckenflieger segeln majestätisch durch eisige Winde, jagen Fische, Krill und Tintenfisch und steuern nur selten Festland an. Eine neue Studie hat nun ergeben, dass sich die Vögel dabei 39% der Zeit in internationalen Gewässern aufhalten, wo ihr Schutz nicht gewährleistet werden kann. Da die Hälfte der Arten vom Aussterben bedroht ist, fordern die Studienverantwortlichen jetzt globale Abkommen, um die Vögel auch ausserhalb von nationalen Hoheitsgewässern zu schützen.

 Wanderalbatros-Nachwuchs auf Prion Island Wanderalbatros-Nachwuchs auf Prion Island, Südgeorgien. Die Kolonie und die angrenzenden Gewässer sind geschützt. Das reicht aber nicht. (Bild: Eva Fuchs)

Forscher aus 16 Ländern verfolgten mithilfe von Mini-Trackern die Bewegungen von 5775 Vögeln aus 39 Arten von 87 verschiedenen Brutstätten. Ihre Forschungsergebnisse wurden nun in der Fachzeitschrift Science Advances publiziert. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass alle Arten verschiedene nationale und internationale Gewässer durchqueren. Somit kann keine Nation alleine den Vogelschutz angemessen gewährleisten. "Seevögel wie Albatrosse sind der Inbegriff von Weltenbummlern, aber dieser Lebensstil macht sie anfällig für Bedrohungen an Orten, an denen der rechtliche Schutz unzureichend ist", sagt Martin Beal, Hauptautor der Studie am Zentrum für Meeres- und Umweltwissenschaften des ISPA - Instituto Universitário in Lissabon

Der grösste Feind auf See ist der Langleinenfischfang, aber auch Plastikabfälle im Meer und der Verlust von Beute aufgrund von Überfischung und Klimawandel bedrohen die Tiere. Der Co-Autor Prof. Richard Phillips von British Antarctic Survey sagt: „In internationalen Gewässern sind die Vorschriften zur Verringerung des Beifangs von Seevögeln in der Langleinenfischerei schwächer als in nationalen Gewässern, und nur ein sehr kleiner Teil der Schiffe hat einen unabhängigen Beobachter an Bord, der die Einhaltung der Massnahmen zur Minderung des Beifangs von Seevögeln und sonstigem Beifang überwacht. “

longlineDie kilometerlangen Leinen werden mit Tausenden von Ködern ins Meer gelassen. Während die Leinen ausgelegt werden, schwimmen die Köder an der Wasseroberfläche und ziehen Seevögel an. Diese schlucken die Köder, verhaken sich und ertrinken beim Absinken der Leine. Jährlich sterben laut Experten mehr als 100'000 Albatrosse durch den Langleinenfischfang. (Bild: Ecomare/Oscar Bos - CC BY-SA 4.0)

Wanderalbatrosse verbringen beispielsweise mehr als die Hälfte der Zeit in internationalen Gewässern des Südatlantiks, des Indischen Ozeans und des Pazifischen Ozeans. Sie sind von der Internationalen Union für Naturschutz (IUCN) als vom Aussterben bedroht eingestuft. In ihrem Brutgebiet auf Südgeorgien und im umliegenden Meeresschutzgebiet profitiert die Wanderalbatros-Population von einem starken Schutz. Sobald die Tiere jedoch diesen geschützten Raum verlassen erfordert ihr Schutz internationale Koordination. „Unsere Studie zeigt eindeutig, dass Albatrosse und Sturmvögel einen zuverlässigen Schutz benötigen, der über die Grenzen eines Landes hinausgeht“, so Beal. „Und das Gleiche wie bei Vögeln gilt für viele andere Meerestiere wie Wale Robben, und Schildkröten“, fügt Mitautor Pep Arcos von BirdLife hinzu.

Hoffnung ist am Horizont: Die Vereinten Nationen diskutieren derzeit einen Hochseevertrag zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung von internationalen Gewässern.

Quellen: BirldLife International, British Antarctic Survey, Science Advances